menu
A Few Good Friends
Eine Initiative der
Mann beobachtet misstrauisch, was seine Freundin auf dem Smartphone schreibt

Micro-Cheating: Nur ein kleines bisschen Betrug?

von Sirany, 08.03.2018

Geheimniskrämereien und Täuschungen tun einer Beziehung nie gut. In letzter Zeit ist dafür der Begriff „Micro-Cheating“ in Mode gekommen. Das Problem: Die Bezeichnung kann seeehr weit gefasst werden …

Wo fängt Untreue an? Bei körperlicher Nähe zu jemandem, der nicht der feste Partner ist, würden die meisten wahrscheinlich sagen. Ein Kuss, Sex, für manche ist vielleicht schon Händchenhalten ein Betrug. Aber kann Fremdgehen auch schon vorher beginnen? Durch kleine Geheimnisse, die einer der Partner in der Beziehung vor dem anderen hat?

Davon geht zumindest der Begriff „Micro-Cheating“ aus. Er trägt das Wort „Betrug“ (cheating) schon im Namen und stigmatisiert solches Verhalten als Fremdgehen. Schwierig ist allerdings, dass es keine feste Definition von Micro-Cheating gibt und eine Vielzahl von Handlungen darunterfallen kann, je nach Auslegung. Schließlich hat jeder von uns andere Toleranzgrenzen – was für den einen ein echter Vertrauensbruch ist, regt den anderen gar nicht groß auf.

Nicht mehr als ein schwammiger Begriff

Neu sind die Phänomene, die Micro-Cheating beschreibt, nicht. Es gab bisher bloß keinen eigenen Namen dafür. Im engeren Sinne fallen darunter Handlungen, die einer der Partner in einer Beziehung bewusst vor dem anderen verheimlicht, weil dieser sie höchstwahrscheinlich nicht gutheißen würde. Diese Handlungen haben allerdings nichts mit körperlichem Fremdgehen zu tun, sondern spielen sich eher auf emotionaler Ebene ab, sind also nur ein „kleiner bzw. Mikro-Betrug“ (Micro-Cheating).

Darunter könnten etwa folgende Aktionen fallen: Jemand tauscht weiter heimlich intensiv Nachrichten mit dem Ex-Partner aus und ist noch emotional an ihn oder sie gebunden. Oder aber jemand speichert die Nummer einer anderen Frau oder eines anderen Mannes unter falschem Namen im Telefonbuch seines Smartphones, damit der Partner nicht merkt, dass reger Kontakt zu dieser Person besteht.

Dies sind Beispiele, bei denen die Bezeichnung „Micro-Cheating“ tatsächlich angebracht sein könnte, da eine bewusste Täuschung des Partners erfolgt. In vielen anderen Fällen wird der nicht konkret definierte Begriff aber so weit gefasst, dass selbst banale oder beiläufige Dinge als Mikro-Betrug gedeutet werden. Und das ist für jede Beziehung gefährlich! 

Verliebtes Paar
In einer Beziehung Geheimnisse miteinander zu haben, ist kein Problem. Aber voreinander?

Ganz schön übertrieben

Auf der Website thoughtcatalog.com gibt es einen Beitrag, der 33 Beispiele für Micro-Cheating auflistet. Darunter fallen auch Dinge wie: einer Bedienung ein besonders hohes Trinkgeld zu geben, weil sie gut aussieht. Oder einer anderen Person zu sagen, dass man an sie denkt (wenn nicht gerade ihr Geburtstag oder ein Feiertag ist). Geht das nicht zu weit?

Vielleicht hat der Partner überhaupt nicht über das Aussehen der Bedienung nachgedacht, als er ihr das Trinkgeld gegeben hat, sondern einfach den aufmerksamen Service oder eine sympathische Ausstrahlung honoriert. Und was ist dabei, wenn ich einem guten Freund mitteile, dass ich an ihn denke, weil mich eine bestimmte Situation an ihn erinnert? Dadurch betrügt niemand seinen Partner!

Die Auslegung von Micro-Cheating kann also ganz schön absurde Ausmaße annehmen und bei besonders misstrauischen oder unsicheren Personen dazu führen, dass sie Betrug wittern, wo gar keiner ist. Dann kann es schon zum Drama werden, wenn der Partner just in dem Moment Facebook oder sein E-Mail-Programm schließt, in dem der andere den Raum betritt – obwohl das Timing bloß Zufall war und man nichts zu verbergen hat. Diese Art von Misstrauen ist Gift für die Beziehung!

Das Problem liegt in der Geheimhaltung

Doch selbst in den Fällen, bei denen der Vorwurf des Micro-Cheatings durchaus angebracht sein könnte, liegt das Problem nicht in der Schwere der „Tat“, sondern in der Geheimniskrämerei. An sich ist es nicht verwerflich, weiter mit dem Ex-Partner befreundet zu sein und mit diesem noch über WhatsApp zu kommunizieren. Aber wenn das heimlich hinter dem Rücken der aktuellen Beziehung abläuft, ist es verständlich, dass sich der Partner hintergangen fühlt. In solchen Fällen hilft nur reden, auch wenn es vielleicht einfacher erscheint, den Kontakt zu verschweigen, als sich darüber mit dem Partner auszutauschen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass du in einer Beziehung überhaupt keine Geheimnisse vor deinem Partner haben darfst. Es wird immer ein paar Dinge geben, die du lieber für dich behältst. Solange diese keine Rolle für die aktuelle Beziehung spielen, ist es okay, wenn du sie nur deinem besten Freund oder deinem Tagebuch anvertraust.

Eine junge Frau sitzt unter einem Baum und schreibt in ein Buch
Fast jeder Mensch hat Geheimnisse, die er für sich behält – oder nur seinem Tagebuch anvertraut.

Miteinander reden und Grenzen setzen

Damit Micro-Cheating erst gar kein Thema in eurer Beziehung wird, ist es wichtig, offen und ehrlich zueinander zu sein. Wenn du das Gefühl hast, dass dein Partner dir etwas verheimlichen könnte, sprich ihn darauf an, ohne daraus gleich einen Vorwurf zu machen. Vielleicht ist ihm gar nicht bewusst, dass er dir etwas verschwiegen hat; möglicherweise hat er es einfach als nicht so wichtig erachtet oder vergessen. Oder ihm ist nicht bewusst, dass dich sein Verhalten verletzen könnte.

Wenn dein Partner dir mit Absicht etwas verheimlicht hat, solltet ihr gemeinsam ergründen, warum das passiert ist. Vielleicht mangelt es in eurer Beziehung an Vertrauen? Vielleicht fühlt er oder sie sich aber auch kontrolliert und braucht Freiheiten? Genauso gut kannst du dich fragen, warum du es als Betrug empfindest, wenn du nicht über alles genauestens informiert bist.

Diese Dinge gilt es, gemeinsam herauszufinden. Wie ihr dann damit umgeht, welche Bedingungen und Grenzen ihr setzt, hängt individuell von eurer Beziehung ab. Wichtig ist jedenfalls, dass ihr dem anderen klarmacht, wo für euch Betrug anfängt.

Wie hat dir der Artikel gefallen?
0
0
×

Einwilligungserklärung für die Nutzung der Social Media Plugins

Für die Nutzung von Social-Media-Dienstangeboten diverser Unternehmen stellen wir Ihnen Social-Media-PlugIns zur Verfügung. Diese werden in einem 2-Klick-Verfahren auf den Online-Angeboten der AOK eingebunden. Die AOK erfasst selbst keinerlei personenbezogenen Daten oder über deren Nutzung mittels der Social PlugIns. Über diese PlugIns können jedoch Daten, auch personenbezogene Daten, an die US-amerikanischen Diensteanbieter gesendet und gegebenenfalls von diesen genutzt werden. Das hier eingesetzte Verfahren sorgt dafür, dass zunächst keine personenbezogenen Daten an die Anbieter der einzelnen Social-Media-PlugIns weitergegeben werden, wenn Sie unser Online-Angebot nutzen. Erst wenn Sie eines der Social-Media-PlugIns anklicken, können Daten an die Dienstanbieter übertragen und durch diese gespeichert bzw. verarbeitet werden.

close