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Aquaponik: „Tomatenfisch“ gegen den Welthunger

Urban Farming extrem: Wie Aquaponik die Welt retten könnte

von Sirany, 01.11.2017

Aqua-was? Was nach einer neuen Form von Wasser-Aerobic klingt, ist in Wahrheit ein Verfahren zur Produktion von Nahrungsmitteln, bei dem Fische und Pflanzen quasi „zusammenarbeiten“.

Aquaponik ist ein nachhaltiges Produktionsverfahren, das im besten Fall die Welternährung sichern könnte. Davon sind zumindest die Anhänger dieser innovativen Technik überzeugt. In der nahen Zukunft wirst du sicher noch viel von Aquaponik hören und lesen – wir sagen dir, was dahintersteckt.

Aquaponik: Klingt kompliziert – ist es aber nicht

Das Wort Aquaponik setzt sich aus den Fachbegriffen für Fischzucht (Aquakultur) und erdfreie Pflanzenzucht in Nährlösungen (Hydroponik) zusammen und bezeichnet die Zusammenführung der beiden Techniken. Das wird dir jetzt zu biologisch-kompliziert? Keine Angst, ist es gar nicht! Im Gegenteil: Bei genauerem Hinsehen ist das Ganze sogar ziemlich spannend!

Ein Aquaponik-System kannst du dir in etwa so vorstellen: Du hast ein Aquarium oder einen Fischtank und darüber bzw. darauf wird ein Pflanzenbeet oder sogar ein ganzes Gewächshaus platziert. Und dann passiert Folgendes: Das Wasser aus dem Fischtank wird in die Pflanzenbeete gepumpt und fließt von dort wieder zurück in das Aquarium. Fische und Pflanzen bilden dabei einen geschlossenen Wasser- und Nährstoffkreislauf und ernähren sich quasi gegenseitig. Es ist ein Geben und Nehmen, von dem beide Seiten profitieren. Aber was genau haben Fische und Pflanzen von diesem Miteinander?

Aquaponik macht aus Scheiße Wachstum

Der Knackpunkt liegt in der speziellen Aufbereitung des Wassers, wenn es vom Fischtank in die Pflanzenbeete fließt. Zunächst enthält das Wasser natürlich noch Fischexkremente und damit auch das giftige Ammonium. Deshalb sind im Kiesbett am Grund des Fischtanks und auch im Substrat der Pflanzenbeete Bakterien enthalten, die das Ammonium in Nitrat umwandeln. Dadurch wird das aufbereitete und nun nährstoffreiche Wasser zum idealen Pflanzendünger. Aquaponik macht also quasi aus Scheiße Wachstum. Im Gegenzug bekommen die Fische anschließend gereinigtes Wasser zurück. Denn das Ammonium, das die Bakterien umgewandelt haben, wäre auch für die Wasserbewohner auf Dauer schädlich.

Das ganze System ist übrigens so ausgereift, dass nur ganz selten Wasser ersetzt werden muss – in der Regel nicht mehr als zehn Prozent pro Tag, manchmal wesentlich weniger. Aquaponik ist somit ein hocheffizientes und nachhaltiges Produktionsverfahren.

Aquaponik: „Tomatenfisch“ gegen den Welthunger
Butter bei die Fische: Mut zur Aquaponik!

Schon mal vom „Tomatenfisch“ gehört?

Aquaponik wird übrigens oft im Zusammenhang (oder sogar synonym) mit dem sogenannten Tomatenfisch genannt. Du fragst dich sicher, was dahintersteckt. Das lässt sich beantworten, wenn man sich die Fische und Pflanzen anschaut, die bei Aquaponik zum Einsatz kommen. Denn nicht jede Art ist gleich gut geeignet. Fischarten wie der Tilapia-Buntbarsch, die Bach- oder die Regenbogenforelle werden bevorzugt für die Zucht verwendet. Im Pflanzenbereich sind es Paprikas, Chilis, Auberginen und vor allem Tomaten, die angebaut werden. Und weil das rote Gemüse besonders gut auf die Aquaponik anspricht, ist daraus der Begriff des „Tomatenfischs“ entstanden.

Aquaponik: „Tomatenfisch“ gegen den Welthunger
Tomaten im Überfluss – durch Aquaponik könnte das vielleicht möglich werden.

Und wo gibt es diese Fischzucht der Zukunft?

Die Idee der Aquaponik gibt es schon seit einigen Jahrzehnten. 1985 wurde das erste kommerzielle System entwickelt und seitdem sind die Anlagen überall auf der Welt zu finden – vom Kleinstsystem in der heimischen Küche bis hin zum kommerziell genutzten Großbetrieb. Allerdings sind es bei Weitem noch nicht so viele, wie es sein könnten. Aquaponik kann theoretisch überall betrieben werden, auch weit ab von Gewässern. Allerdings sind dafür zunächst Investitionen nötig, die nicht jeder Mensch oder jede Firma mal eben stemmen kann.

Doch die Forschung zu diesem Thema wird glücklicherweise vorangetrieben. In Deutschland beispielsweise an der Universität Rostock, wo es einen Lehrstuhl für Aquakultur gibt. Auch am Müggelsee im Südosten Berlins arbeiten Forscher an der Weiterentwicklung der Technologie.

Wenn Aquaponik überall auf der Welt salonfähig werden würde, könnte das Verfahren ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den Welthunger sein – vor allem, weil Fische vergleichsweise schnell wachsen und viele wichtige Proteine liefern. Hoffen wir also, dass Aquaponik the next big thing in der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion wird.

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