menu
A Few Good Friends
Eine Initiative der
FOMO: Was heißt das? – Von der Angst, etwas zu verpassen

Was heißt denn hier FOMO? – So bekämpfst du die Angst, etwas zu verpassen

von Sirany, 16.11.2017

Die Angst, etwas zu verpassen, ist eigentlich ein alter Hut. Doch das Social-Media- Zeitalter katapultiert sie in eine neue Dimension und gibt ihr einen prägnanten Namen: FOMO – "Fear of missing out".

Jede Sekunde prasseln unzählige Tweets zu den neusten Trending Topics und Hashtags auf dich ein. In deinem Newsfeed bei Facebook tauchen bei jeder Aktualisierung weitere Meldungen, die du noch nicht kennst, ganz oben auf. Und wenn du auf einer Party tanzt, hast du Angst, eine andere – bessere – Feier zu verpassen.

Eigentlich willst du das gar nicht mehr, das ständige Checken der Social-Media- Kanäle. Oder die ewigen Vergleiche: Wer ist am Samstagabend wo unterwegs? Wer macht gerade Urlaub in welchem aufregenden Land? Wer erzählt die spannendste Geschichte aus seinem Leben? Aber du kannst auch nicht ohne!

Wenn du nicht informiert bist und überall mitmischt, befällt dich ein Gefühl der inneren Unruhe. Diese Empfindung heißt FOMO, kurz für "Fear of missing out". Auf Deutsch: die ständige Angst, etwas zu verpassen. Und diese Furcht kann dich ganz schön fertigmachen.

Was ist so neu an FOMO?

Klar, die Angst, was zu verpassen, ist so alt wie unsere Gesellschaft. Der Mensch ist ein soziales Wesen und wollte schon immer mitreden können. Vielleicht hast du nur aus diesem Grund "Fifty Shades of Grey" zu Ende gelesen, obwohl du die Bücher für Schrott hältst. Vielleicht bist du deshalb auch bei der letzten langweiligen Party bis zum Schluss geblieben, obwohl du eigentlich schon wusstest, dass nichts Weltbewegendes mehr passieren würde.

Bis zu einem gewissen Grad ist diese Angst etwas Natürliches, das sich bei dem einen mehr, beim anderen weniger ausgeprägt manifestiert. Doch FOMO geht eine Dimension weiter. Die Furcht, etwas zu verpassen, kann leicht auf die Spitze getrieben und krankhaft werden.

Schuld daran sind auch die Social-Media-Kanäle. Die wachsende Informationsflut aus Nachrichten, Tweets, Statusmeldungen, Fotos und Videos reibt uns ständig unter die Nase, was passiert – und was wir verpassen. Einmal nicht aufgepasst, schon ist dir bei Facebook eine Veranstaltung durch die Lappen gegangen. Party des Jahres? Versäumt. Konzert der Lieblingsband? Nach zehn Minuten ausverkauft. Dadurch wächst die Angst.

Wer FOMO für eine reine Modeerscheinung hält, dem sei gesagt, dass das englische Oxford Dictionary den Begriff schon vor einigen Jahren in seinen Wortschatz aufgenommen hat. Die Fear of missing out – gekommen, um zu bleiben?

Das Überangebot bestimmt die Nachfrage

Heute immer mitreden zu können, ist einfach nicht mehr so leicht wie vor 20 Jahren. Damals hat es gereicht, die Zeitung zu lesen oder die "Tagesschau" zu gucken. Im digitalen Zeitalter werden dagegen sekündlich Neuigkeiten verbreitet – und du versuchst sie aufzuschnappen und zu konsumieren, kannst aber unmöglich alles aufsaugen.

Ähnlich verhält es sich im privaten Bereich. Früher haben dir deine engsten Freunde Postkarten aus dem Urlaub geschickt und nach der Rückkehr von ihrer Reise erzählt. Heute bist du live dabei, wenn deine 700 Facebook-Freunde ihr Backpack-Abenteuer in Südostasien erleben. Und so kannst du dich nicht einmal richtig entspannen, wenn du selbst den Urlaub unter Palmen genießt – weil deine Leute zu Hause Live-Videos vom Festival übertragen, auf das du sonst mit ihnen gefahren wärst.

FOMO: Was heißt das? – Von der Angst, etwas zu verpassen
Ist doch egal, ob andere morgen auf Social Media sehen, wie viel Spaß du gestern Abendhattest. Es geht um dich im Heute.

Symptome einer Social-Media-Krankheit

Doch die Angst, ein cooles Event zu verpassen, ist nur die eine Seite von FOMO. Die andere geht psychologisch viel tiefer und kann dich im schlimmsten Fall in eine mittelschwere Quarterlife-Crisis stürzen. Denn da ist nicht bloß die innere Unruhe, die dich veranlasst, im Minutentakt deine Social- Media-Kanäle zu aktualisieren, sondern auch so ein unangenehmes Gefühl, das dich deine Entscheidungen im Nachhinein hinterfragen lässt.


Festivalgänger kennen das: die Qual der Wahl, wenn drei gute Acts zur selben Zeit auf unterschiedlichen Bühnen auftreten. Drei Szenarien sind möglich: Entweder du entscheidest dich für eine Band und genießt die Show. Oder du hastest von einem Auftritt zum nächsten, bleibst jeweils 15 Minuten und hast am Ende eigentlich nichts gesehen. Oder du ärgerst dich im Nachhinein, dass du zu Künstler X gegangen bist, weil Künstler Y bestimmt viel besser was – sagt schließlich auch die Crowd bei Twitter …

Szenario 2 und 3 sind Begleiterscheinungen von FOMO – alle beide verschaffen wenig Erfüllung. Auf zwei, drei oder noch mehr Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, hat noch nie gut funktioniert. Alles. Was du davon hast, ist Stress. Und auch der Glaube, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, macht dich im Nachhinein nicht glücklich.

Doch genau diesen Irrglauben haben viele Menschen, wenn sie bei Facebook oder Instagram glückliche Pärchen-Selfies, exotische Landschaften oder wilde Partynächte vor die Nase gesetzt bekommen, während sie alleine vor ihrem Smartphone die Social-Media- Sucht weiter fördern. Warum hat der die bessere Beziehung? Warum ist sie ständig im Urlaub? Und warum haben alle einen Job, der Spaß macht, nur ich nicht?

Warum FOMO auch deine Beziehung belasten kann

Besonders gefährlich werden diese bösen Gedanken, wenn sie anfangen, deine sozialen Beziehungen zu bestimmen. Dating-Apps wie Tinder machen vor, wie leicht es ist, unverbindlich zu lieben. Besser keine zu enge Bindung eingehen, es könnte ja jeden Moment ein noch ein schönerer, klügerer, lustigerer und interessanterer Partner um die Ecke kommen.

Doch nur wo Gefühle zugelassen werden, kann echte Nähe zwischen zwei Menschen entstehen – und das funktioniert nicht, wenn du ständig weiter Ausschau nach dem perfekten Herzblatt hältst.

Ähnlich verhält es sich mit einem vorschnellen Jobwechsel, weil du dir dort mehr Urlaub, Gehalt, Erfolg oder Zufriedenheit versprichst – nur weil du in diesem Blogeintrag gelesen hast, dass der Autor es ähnlich gemacht hat. Im schlimmsten Fall stehst du am Ende dumm da und bist unglücklicher als zuvor.

FOMO: Was heißt das? – Von der Angst, etwas zu verpassen
JOMO – Joy of missing out – ist, wenn du es genießt, Dinge zu verpassen, weil du lieber mitdem Lieblingsmenschen auf der Couch bleibst.

Der Retter vor FOMO heißt JOMO

Aber wie lässt sich das Gespenst FOMO am besten vertreiben? Der Lösungsweg heißt in diesem Fall JOMO – "Joy of missing out". Das bedeutet, dass du dich bewusst dazu entscheidest, Dinge zu verpassen, und diesen Zustand sogar genießt. Ein kompletter Digital Detox ist also nicht unbedingt nötig. Du kannst weiter online bleiben und das Social-Media- Treiben beobachten, legst dir aber eine Denkweise zurecht, die dich zum entspannten Beobachter macht.

Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber dieses Denken kannst du trainieren, indem …

  • ... du akzeptierst, dass deine Zeit begrenzt ist, und du nur eine bestimmte Anzahl von Dingen machen, aufnehmen und reflektieren kannst.
  • ... du weniger Dinge tust und konsumierst, diese dafür aber umso intensiver.
  • … du im Zweifelsfall deine Entscheidung für eine Sache gut reflektierst und deine Begründung für sie niederschreibst. So fällt es dir leichter, daran festzuhalten.
  • … du dir auch die negativen bzw. positiven Seiten einer Sache in Erinnerung rufst, wenn du glaubst, die falsche Entscheidung getroffen zu haben (Beispiel: Deine Freunde sind auf einem Festival, während du zu Hause geblieben bist. Du kannst ausschlafen, richtig duschen und bist körperlich fit, während sie im Zelt auf hartem Boden schlafen müssen, Dixiklos benutzen, Sonnenbrand und einen Kater haben.
  • ... du versuchst im Jetzt zu leben und das akzeptierst und genießt, was du bekommst.
×

Einwilligungserklärung für die Nutzung der Social Media Plugins

Für die Nutzung von Social-Media-Dienstangeboten diverser Unternehmen stellen wir Ihnen Social-Media-PlugIns zur Verfügung. Diese werden in einem 2-Klick-Verfahren auf den Online-Angeboten der AOK eingebunden. Die AOK erfasst selbst keinerlei personenbezogenen Daten oder über deren Nutzung mittels der Social PlugIns. Über diese PlugIns können jedoch Daten, auch personenbezogene Daten, an die US-amerikanischen Diensteanbieter gesendet und gegebenenfalls von diesen genutzt werden. Das hier eingesetzte Verfahren sorgt dafür, dass zunächst keine personenbezogenen Daten an die Anbieter der einzelnen Social-Media-PlugIns weitergegeben werden, wenn Sie unser Online-Angebot nutzen. Erst wenn Sie eines der Social-Media-PlugIns anklicken, können Daten an die Dienstanbieter übertragen und durch diese gespeichert bzw. verarbeitet werden.

close