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Weder Mann noch Frau: Alternativer Geschlechtseintrag bald möglich?

von Johanna, 18.12.2017

Manchmal ist nur eindeutig, dass nichts eindeutig ist. Bei Intersexualität etwa. Ab 2018 sollen Betroffene ihre Geschlechtsidentität endlich alternativ ausdrücken können. So hat es das Bundesverfassungsgericht entschieden.

Was ist Intersexualität?

Manche Menschen fühlen sich weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig. Eher als etwas dazwischen oder beides. Ihr Empfinden beruht jedoch nicht bloß auf psychischen Faktoren, sondern äußert sich auch und vor allem anhand körperlicher Merkmale. So kann jemand beispielsweise weiblich aussehen, aber über einen männlichen Chromosomensatz verfügen.

So zum Beispiel das belgische Model Hanne Gaby Odiele – eine, von wenigen, die öffentlich zu ihrer uneindeutigen Geschlechtsidentität steht. Sie sieht mit ihren langen blonden Haaren und ihren feinen Gesichtszügen wie eine fragile Frau aus, verfügte bei ihrer Geburt aber über nach innenliegende Hoden, die ihr später entfernt wurden. Angeblich um das Krebsrisiko zu senken. Heute revidieren Mediziner diese Annahme weitestgehend.

Intersexueller Vanja klagt und gewinnt

So oder ähnlich wie Odiele fühlen sich etwa 100.000 Menschen in Deutschland. Insgesamt gibt es circa 60 Ausprägungen von Intersexualität. Ab 2018 soll für Betroffene nun eine Lösung für das Personenregister gefunden werden.

Dass es einer bedarf, hatte das Bundesverfassungsgericht im November diesen Jahres entschieden. Der Kläger Vanja hatte die Möglichkeit einer dritten Geschlechtsbezeichnung gefordert und bekam recht. Vanja ist im Geburtenregister als weiblich eingetragen. Eine Chromosomenanalyse offenbarte jedoch, dass er weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale in sich trägt.

Fehlender alternativer Geschlechtseintrag verstößt gegen das Diskriminierungsverbot

Laut Urteil sei ein alternativer Geschlechtseintrag notwendig, um dem Diskriminierungsverbot und dem Persönlichkeitsrecht Folge zu tragen. Eine fehlende Angabe sei nicht ausreichend, hieß es weiter. Wie das Urteil konkret umgesetzt wird, steht allerdings noch nicht fest. Die Angabe der Geschlechtsidentität wird entweder gänzlich entfallen oder es wird eine dritte Bezeichnung integriert in Form von "inter", "divers" oder anderswie. Bis keine konkrete Neuregelung existiert, dürfen intersexuelle Menschen nicht dazu gezwungen werden, sich für ein Geschlecht entscheiden zu müssen.

Intersexuellen wurde oftmals ein Geschlecht aufgezwungen

Dass Intersexuelle nun Berücksichtigung im Geburtenregister finden sollen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dabei geht es darum, einer Menschengruppe Respekt zu zollen, die es in der Gesellschaft oftmals schwer hatte und immer noch hat. Viele Intersexuelle konnten in der Vergangenheit nicht über ihre Geschlechtsidentität bestimmen. Bereits im Babyalter wurden sie operiert und mit Hormonen gefüttert, um ihnen ein eindeutiges Geschlecht zuzuordnen. Ein Akt, unter dem ein Großteil der Betroffenen ein Leben lang litt. Heute raten Mediziner und Psychologen von derartigen Maßnahmen ab – Operationen gibt es jedoch immer noch.

 
Kommen bald Unisex-Toiletten? Das ist bei weitem nicht das wichtigste Thema in puncto Intersexualität.

Sich selbst besser kennenlernen im Austausch mit anderen

Intersexualität schlägt erst in den letzten Jahren ein immer größer werdendes Echo. Es besteht jedoch nach wie vor viel Handlungsbedarf. Nicht selten werden Intersexuelle zum Beispiel mit Transsexuellen verwechselt und entsprechend falsch beraten. 

Transsexuell vs. intersexuell

Im Unterschied zu Intersexuellen haben transsexuelle Menschen ein eindeutiges biologisches Geschlecht. Allerdings fühlen sie sich dem anderen zugehörig. Nicht selten lassen sie Geschlechtsumwandlungen durchführen, um ihren Körper ihrem psychischen Geschlecht anzupassen.

Der Besuch von ausgewählten Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen – zum Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V. ( dgti ) – kann Betroffenen helfen einen besseren Zugang zu sich selbst zu finden, sich nicht mehr auf ein XX oder XY zu reduzieren. Im Austausch mit anderen Betroffenen lernen Intersexuelle unter Umständen sogar, ihr Facettenreichtum zu schätzen. 

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