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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Fahrgemeinschaft im Auto

Erlebnisse aus Fahrgemeinschaften: Von Käsestullen und Strich-100-Fahrern

von Florian, 06.02.2018

Mitfahrgelegenheiten sind super: Du zahlst nicht viel, schonst die Umwelt und bist nicht auf die Fahrplanwillkür der Bahn angewiesen. Wenn da nur die Mitfahrer nicht wären.

Zu meiner Studentenzeit bin ich mehrmals im Monat als Mitfahrer gereist. Ein eigenes Auto war viel zu teuer, ebenso die Bahn, wenn sie denn mal zum angegebenen Zeitpunkt fuhr. Und auch jetzt als Autobesitzer nehme ich oft noch unbekannte Leute mit, wenn mal eine längere Strecke ansteht. Schließlich beteiligen sich alle an den Benzinkosten, sodass ich nach den gängigen Tarifen in der Mitfahrszene am Ende fast gar nichts mehr zuschießen muss. Und das gute Gefühl, nicht eines der vielen fast leeren Autos auf der Straße zu fahren, die die Umwelt belasten, trägt auch ein wenig zur Entscheidung bei, eine Fahrt bei den Mitfahrzentralen einzutragen.

Das oft gehörte Pro-Argument der Geselligkeit einer Fahrgemeinschaft kann ich allerdings nur sehr bedingt bestätigen. Mitfahrer sind eine mitunter recht spezielle Spezies, sodass die Unterhaltung nicht immer rund läuft – oder gar nicht erst zustande kommt, weil die Kopfhörer einzig zur Begrüßung und beim Abschied die Ohren verlassen. Wenn doch, gibt es womöglich skurrile politische Theorien zu hören, sinnfreie Diskussionen über Fußball auf Stammtischniveau oder – und das war wirklich die Hölle – eine mehrstündige Bewertung des aktuellen Bachelors samt seiner Kandidatinnen. Ich habe dann nur die Wahl zwischen Pech und Schwefel: Entweder in die Diskussion einsteigen oder der Arsch sein, der nach kurzer Ankündigung "Ich mach mal ein bisschen Musik an" das Radio aufdreht und jeglichen weiteren Austausch dadurch unterbindet.

Selbst die freundliche Frage nach dem Broterwerb sollte gut überlegt sein. Denn jegliches Nachhaken bei Antworten wie "Anwalt für Versicherungsrecht", "Verfahrenstechniker" oder allen Kombinationen mit dem Wortstamm "Behörde" kann beim Mitfahrer zu einem Wortschwall führen, den ich einfach nicht hören möchte.

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer Argumente, die eigentlich für eine entspannte Einzelfahrt sprechen. Zum einen riecht der Mensch nun mal – und das nicht immer gut, für mein Empfinden. Und drei Exemplare dieser eher nicht so leckeren Gattung bei Minusgraden über mehrere hundert Kilometer in einer Fahrgastzelle zu haben, ohne aufgrund der Temperaturen für Frischluft sorgen zu können, kann eine olfaktorische Herausforderung werden. Vor allem, wenn hinten links eine Tilsiterstulle zum Vorschein kommt, hinten rechts der Verdauungstrakt nicht optimal eigestellt ist und der Kollege vorne rechts vor zwei Stunden noch in einer Kneipe saß.

Früher als Mitfahrer sorgte bei mir vor allem die Geschwindigkeit der Fortbewegung für Unstimmigkeiten. Wer wie ich noch im Hellen am Ziel ankommen wollte, dem schwoll schnell mal der Kamm, wenn der Chauffeur Strich 100 fuhr. Äußerst beliebt war auch das "Ich fahr eben von der Autobahn ab, um noch jemanden einzusammeln. Höchstens 30 Kilometer Umweg". Auf der anderen Seite gab es auch den Typ Fahrer, der das ganze Wochenende schlecht drauf war, wenn er seinen Rekord nicht verbessern konnte: "Hamburg – München? In fünf Stunden sind wir da!" oder auch "Gepinkelt wird nicht, die Autobahn ist gerade frei".

Auch wenn die Unterschreitung der Fluchtdistanz in einem gefüllten Pkw aus oben genannten Gründen gegen eine Fahrgemeinschaft spricht – ich glaube weiter an das Gute im Menschen und kaufe mir vom gesparten Benzingeld einfach mal geräuschreduzierende Kopfhörer, die mich im Fall der Fälle vor dem Schlimmsten bewahren.

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