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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Junge Frau im hippen Frühlingsoutfit vor blühender Hecke

Ich muss gar nichts! Vom absurden Ausgehzwang im Frühling

von Sirany, 12.03.2018

Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen blicken lassen, rasten die Leute aus: überfüllte Eisdielen, knappe Sommerkleidchen und zwanghaft gute Laune. Ich frage mich: Muss das wirklich sein?

Eins vorweg: Ich liebe den Frühling. Die Tage werden länger, die Temperaturen milder, im Park grünt und sprießt alles. Und auch ich blühe wieder auf, erwache aus meiner Winterstarre und werde aktiv.

Doch da bin ich leider nicht die Einzige. Das Problem sind die anderen Menschen! Sie alle wollen ein Stück vom Frühlingskuchen abhaben und stürzen wie die Irren nach draußen, sobald die ersten Sonnenstrahlen sie in der Nase kitzeln. Und dann beginnt ein regelrechter Run auf die Eisdielen, Tretboote, Parkbänke und Grünflächen der Stadt.

Unter der Woche passiert das alles noch in überschaubarem Ausmaß, doch samstags und sonntags sind alle auf der Suche nach einem Platz an der Sonne und der Ausgehzwang nimmt absurde Ausmaße an. Seit ich einmal an einem schönen Christi-Himmelfahrts-Tag am Anleger angestanden und versucht habe, mit meinem Fahrrad auf die Fähre von Blankenese ins Alte Land zu kommen … und zwei überfüllte Schiffe und zwei Stunden später resigniert habe … meide ich solche Schauplätze bei zu gutem Wetter.

Doch dem ganzen Trubel komplett entziehen kann ich mich auch nicht. Auf Instagram springt mir der Frühling in Hashtag-Form förmlich entgegen. Wer hat die größte Eiswaffel? Wer die schickste neue Sonnenbrille? Und vor allem: Wer macht das Beste aus dem Sonnenschein? Ein einfacher Spaziergang durchs Viertel scheint da nicht mehr auszureichen, möglichst spektakulär und ausgefallen muss es sein. Und dabei sollte man auch noch gut gestylt und bestens gelaunt aussehen. Die Messlatte liegt hoch: Instagram-tauglich sind eigentlich nur Bilder von schönen Menschen, die sich mit Champagnerflasche in der Hand und Hundewelpen im Arm auf einem pinken, aufblasbaren Flamingo-Gummiboot rekeln.

Dabei frage ich mich: Muss ich ab Temperaturen von 20 Grad zwanghaft gute Laune haben, obwohl ich mich eigentlich nicht danach fühle? Wenn ich mies drauf bin, bringt mich auch ein pinker, aufblasbarer Flamingo nicht in Frühlingsstimmung . Dann ist mir manchmal einfach danach, mich zu Hause hinter zugezogenen Vorhängen einzuigeln.

Im Winter braucht es dafür keine Rechtfertigung. Ein „Mir ist zu kalt, ich mache heute nichts“ reicht als Begründung völlig aus und wird akzeptiert. Im Frühling dagegen schauen mich meine Freunde ungläubig an: „Ach komm schon, bei dem schönen Wetter kannst du doch nicht drinnen bleiben, wir haben eh nur so wenig Sonnentage“, versuchen sie mich zu überreden. Und so lasse ich mich manchmal überzeugen, um mich murrend und den Frühling nicht richtig genießend an einem viel zu überfüllten Ort wiederzufinden.

Auf Dauer macht dieser Ausgehzwang müde, wenn er nicht von innen, sondern nur von außen kommt. Vielleicht ziehe ich irgendwann einfach in ein Land, in dem an mehr als 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint. Irgendwo am Äquator, wo es keine Jahreszeiten in der uns bekannten Form gibt. Dann kommt es gar nicht erst zu diesem Konflikt.

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