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A Few Good Friends
Eine Initiative der
Critical Mass in Köln

Aufstand auf zwei Rädern: Das steckt hinter der Critical-Mass-Bewegung

von Sirany, 01.06.2018

Es sind viele: die Teilnehmer der Critical Mass, die regelmäßig durch die Straßen vieler Städte rollen. Die Forderung beim Protest auf zwei Rädern: Gleichberechtigung für Fahrradfahrer im Straßenverkehr.

Eine Fahrradtour ist dir zu langweilig und gewöhnlich? Dann solltest du einmal bei der Critical Mass mitfahren! Dabei kommen in vielen Städten überall auf der Welt regelmäßig Hunderte oder sogar Tausende Radfahrer zusammen und radeln gemeinsam durch die Straßen. Das machen sie nicht nur aus Spaß, sondern dahinter steckt auch eine Message, wie der Name Critical Mass, die „kritische Masse“, schon anklingen lässt.

Die Teilnehmer demonstrieren für ihre Gleichberechtigung im Straßenverkehr und für fahrradfreundlichere Städte – und das in der Regel auf eine friedliche und originelle Weise. Selten lässt sich Vergnügen so einfach mit Protest verbinden.

Warum machen die das?

Nicht jeder hat das Glück, in einer fahrradfreundlichen Stadt wie Amsterdam oder Kopenhagen zu wohnen. Der Rest der Biker schlägt sich in urbanen Gefilden mit holprigen Radwegen, gefährlichen Straßen, rücksichtslosen Autofahrern und verständnislosen Fußgängern herum. Gerne endet das, was sich Radweg schimpft, auch plötzlich auf der Straße oder im Nichts – Endstation.

Die Sehnsucht der Radfahrer nach vernünftigen Wegen und der Anerkennung als vollwertige Teilnehmer am Straßenverkehr ist groß. Denn oft bleiben sie als Mittelglied zwischen Autofahrern und Passanten auf der Strecke, weder auf der Straße noch auf dem Trottoir gern gesehen. Aber irgendwo müssen die Radfahrer schließlich auch radeln. Und das bitte auf gut befahrbaren Wegen, die nicht die Sicherheit der Biker gefährden.

Aus genau diesen Beweggründen ist die Critical Mass entstanden. Was 1992 in San Francisco begann, sorgt heute überall auf der Welt dafür, dass Radfahrer in vielen Städten regelmäßig zusammenkommen und radelnd für ihre Rechte demonstrieren.

Nackte Teilnehmer einer Fahrraddemo
Die Critical Mass kann auch wild und freizügig sein.

Freifahrtschein: Paragraph 27 der Straßenverkehrsordnung

Es gibt allerdings eine Sache, welche die Critical Mass von einer herkömmlichen Demonstration unterscheidet. Möglich macht es Paragraph 27 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Denn dieser besagt, dass mindestens 16 Radfahrer, die eine Gruppe bilden, einen geschlossenen Verband darstellen und somit als ein einziger Verkehrsteilnehmer gelten.

Während ein Protestmarsch in der Regel im Voraus angemeldet und die Strecke bekanntgegeben und genehmigt werden muss, hat die Fahrraddemo Critical Mass dank dieses Paragraphen eine Art Freifahrtschein. Dieser ermöglicht es den Teilnehmern, auch über eine Ampel zu fahren, wenn die Grünphase schon wieder vorbei ist, oder auf einer mehrspurigen Straße nebeneinander zu radeln. Schließlich gilt der Fahrradkorso als eine Einheit.

Critical Mass – ein Selbstläufer

Besonders faszinierend an der Critical Mass: Sie scheint sich ganz von alleine zu organisieren und hat sich auch in vielen deutschen Städten wie Hamburg, Berlin, Stuttgart oder Aachen zum Selbstläufer entwickelt. Denn einen offiziellen Veranstalter gibt es nicht.

Die Teilnehmer finden sich vor allem über die sozialen Netzwerke, wo Uhrzeit und Treffpunkt manchmal erst am Tag der Veranstaltung wenige Stunden vorher bekanntgegeben werden. Der Versammlungsort ist in der Regel ein zentraler Platz in der jeweiligen Stadt, die Strecke führt durch urbanes Gebiet. Viele Critical-Mass-Events haben ein festes Datum, zum Beispiel immer den letzten Freitag im Monat. Auch eine App gibt es inzwischen.

Von ihrem Treffpunkt aus zieht die Critical Mass dann los. Musikboxen sorgen für die Beats, viele Radfahrer haben ihren Drahtesel mit Speichenbeleuchtung, Blumen- und Lichterketten geschmückt. Das Klingelkonzert gehört genauso dazu wie einige Teilnehmer, die sich in Schale bzw. ausgefallene Kostüme schmeißen. Andere bevorzugen das Gegenteil: Sie radeln nackt. Jährlich findet der “World Naked Bike Ride“ in großen Städten wie London, Chicago und Mexiko-Stadt statt. Das Adams- und Evakostüm demonstriert dabei auch die Verletzlichkeit der Radfahrer im (Auto-)Verkehr.

Junge Frau im Sommerkleid vor einem Fahrrad mit Blumen im Korb formt ein Herz mit ihren Händern
Ein Herz fürs Fahrrad haben die Teilnehmer der Critical Mass in jedem Fall.

Keine Fahrraddemo ohne Regeln

Auf den ersten Blick ist die Critical Mass also eine große Party auf Rädern – aber eine gesittete, bei der es bestimmte Regeln einzuhalten gilt. Nach der Straßenverkehrsordnung sollen sich alle Teilnehmer richten. Das bedeutet:

  • Fahren in gemäßigtem Tempo, damit der Fahrradkorso nicht auseinandergerissen wird.
  • Nicht in den Gegenverkehr fahren.
  • Nicht auf dem Fußweg fahren.
  • Keine Krankenwagen und andere Einsatzfahrzeuge blockieren.
  • Andere Verkehrsteilnehmer achten und respektvoll behandeln, was auch impliziert, aufgebrachte Autofahrer und Passanten, die durch die Critical Mass eventue
  • ll etwas länger warten müssen, zu beruhigen und über den Sinn der Veranstaltung aufzuklären. Untereinander kommunizieren, zum Beispiel wenn ein Unfall passiert ist.

Auch das sogenannte „Korken“ ist ein wichtiger Teil der Critical Mass. Dabei fahren einige Teilnehmer der Fahrraddemo vor und sichern Kreuzungen und Abzweigungen, indem sie diese blockieren, damit die kritische Masse die Straße ungehindert passieren kann. Ihre Aufgabe ist es auch, erboste Autofahrer und Fußgänger zu beschwichtigen.

Am Anfang und Ende des Zuges wird die Critical Mass in der Regel von der Verkehrspolizei gesichert, die auch ohne offizielle Anmeldung Wind davon bekommt. Diese hat sich an den Anblick des regelmäßigen Zuges auf zwei Rädern schon gewöhnt. Jetzt muss nur noch die Akzeptanz von Fahrradfahrern im Straßenverkehr weiterwachsen. 

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