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Airbnb in Japan

Japan geht gegen Airbnb vor – droht die Offensive auch Europa?

von Sirany, 10.08.2018

Über Airbnb gebuchte Privatunterkünfte stellen eine günstige und oft charmante Alternative zum Hotel dar. Das passt nicht jedem. Die japanische Regierung geht besonders offensiv gegen die Plattform vor.

In Japan ist die Vermittlungs-Plattform Airbnb, über die Reisende Privatunterkünfte für ihren Urlaub buchen können, noch lange nicht so groß wie in anderen Ländern. Doch wer dieser Tage nach einem Zimmer oder einer Wohnung im Inselstaat sucht, wird sich wundern. Gerade einmal 13.800 Unterkünfte sind gelistet.

Airbnb entfernt fast 80 Prozent der Unterkünfte in Japan

Das war nicht immer so! 62.000 Einträge ohne gültige Lizenz – das sind rund 80 Prozent – hat Airbnb entfernt, nachdem die japanische Regierung eine Revision des Hotel- und Herbergsgesetzes beschlossen hat. Betroffen davon sind sogar bereits gebuchte Übernachtungen in den Räumlichkeiten, die daraufhin wieder storniert wurde.

Das neue Gesetz – auch “minpaku“ genannt – besagt, dass Anbieter privater Wohn- und Ferienunterkünfte seit dem 15. Juni 2018 verpflichtet sind, sich bei der lokalen Behörde zu registrieren. Ein bürokratischer Akt, bei dem bestimmte Auflagen wie der Feuerschutz erfüllt sein müssen. Auch dürfen Städte und Gemeinden eigene Regeln erlassen, sodass die Vermietung in manchen Distrikten nur noch wochentags, in anderen nur noch am Wochenende erlaubt ist. Im Tokioter Bezirk Shibuya soll Airbnb laut Reuters nur noch in den Schulferien möglich sein, damit die Kinder auf ihrem Weg zur Schule keinen fremden Menschen begegnen müssen. WTF?

Auch wenn das Gesetz in Japan absurde Züge annimmt, ergreifen auch andere Städte Maßnahmen, um die Reichweite von Airbnb einzuschränken. Doch warum ist das so?

Über die Plattform Airbnb lassen sich gemütliche und bezahlbare Unterkünfte finden – diese Möglichkeit nehmen immer mehr Reisende in Anspruch.
Über die Plattform Airbnb lassen sich gemütliche und bezahlbare Unterkünfte finden – diese Möglichkeit nehmen immer mehr Reisende in Anspruch.

Airbnb: Die Welt zu Gast bei Einheimischen

Der Grundgedanke von Airbnb klingt gut und idealistisch: Reisende leben während ihres Urlaubs wie Einheimische – entweder in einem Zimmer in deren Wohnung, einem eigenen Apartment oder einem kompletten Haus. Das ist in vielen Fällen günstiger als ein Hotel und noch dazu persönlicher und gemütlicher.

Die 2008 im Silicon Valley gegründete Plattform Airbnb dient dabei nur als Vermittler, um Host und Gäste zusammenzubringen. Bei erfolgreicher Buchung erhält das kalifornische Unternehmen eine Servicegebühr. Beide Seiten legen ein Profil mit Bildern und Texten an, um Vertrauen zu schaffen.

Der Gast stellt eine Anfrage für den Zeitraum, den er in der Unterkunft verbringen möchte: einige Nächte, Wochen oder sogar Monate. Der Gastgeber bestätigt die Anfrage, wenn das Datum passt und ihm das Profil des Gastes vertrauenswürdig erscheint. Doch so einfach es klingen mag: Airbnb führt auch zu Problemen.

Die Kommerzialisierung der Plattform schafft Probleme

Zum einen sind da natürlich die Hotelbetreiber, die gegen den ungeliebten Konkurrenten wettern, der ihnen Gäste abwirbt. Zum anderen haben auch professionelle Anbieter Airbnb für sich entdeckt, um Profit aus dem Geschäft mit den Privatunterkünften zu schlagen: Sie kaufen oder mieten Wohnungen an, um sie bei Airbnb zu inserieren. Wohnungen in bester Lage. Wohnungen, die auf dem normalen Mietmarkt fehlen.

Denn das Angebot auf dem Wohnungsmarkt, der ohnehin schon überlaufen ist, wird durch Räumlichkeiten, die einzig und allein für Airbnb-Gäste offenstehen, noch kleiner. Und das treibt wiederum die Mietpreise in die Höhe, insbesondere für Wohnungen in beliebten Stadtteilen von Großstädten wie New York, London, Paris oder Berlin.

Nichts steigt – außer die Mieten: Auch Airbnb treibt die Mietpreise in die Höhe.
Nichts steigt – außer die Mieten: Auch Airbnb treibt die Mietpreise in die Höhe.

Immer mehr Städte weltweit ergreifen Maßnahmen

Viele Metropolen haben das Problem bereits erkannt und versuchen durch verschiedene Mittel, die Vermietung von Privatunterkünften via Airbnb zu regulieren. Die Maßnahmen richten sich dabei weniger gegen Privatpersonen, die bloß einzelne Zimmer ihrer Wohnung auf der Plattform einstellen, sondern gegen die Vermieter ganzer Apartments oder Häuser. Hier einige Beispiele:

  • Amsterdam: Ab 2019 dürfen private Wohnungen nur noch 30 statt 60 Tage im Jahr an Urlauber vermietet werden.
  • Barcelona: Das Vermieten von Ferienwohnungen ist nur mit Lizenz möglich. Für neue Apartments vergibt die Stadt derzeit keine Lizenzen mehr. Mit Strafen bis zu 600.000 Euro und einem hundertköpfigen Team an Sonderermittlern, die illegal vermietete Wohnungen ausfindig machen sollen, will die Stadt hart gegen Verstöße vorgehen.
  • London: Wer eine Privatwohnung länger als 90 Tage im Jahr vermieten will, braucht eine Genehmigung. Auf der Webseite blockiert Airbnb automatisch den Kalender des Gastgebers, wenn die 90 Tage erreicht sind.
  • New York: Ist der Gastgeber nicht anwesend, darf eine Privatwohnung nicht länger als 30 Tage vermietet werden.
  • Palma de Mallorca: Im Stadtgebiet dürfen keine ganzen Wohnungen mehr an Touristen vermietet werden. Einfamilienhäuser dürfen angeboten werden, wenn sie in Gewerbegebieten oder in Flughafennähe und nicht auf geschütztem Boden stehen.
  • Paris: In der französischen Hauptstadt beträgt das Vermiet-Maximum von Wohnungen im Innenstadtbereich 120 Tage. Auch hier blockiert Airbnb anschließend den Kalender des Gastgebers. Zudem müssen sich Hosts bei der Stadt registrieren.

Ob alle Städte die Einhaltungen der Regeln so stark kontrollieren wie Barcelona, ist allerdings fraglich.

Airbnb in Deutschland: Was ist legal, was verboten?

Und wie sieht die Lage in Deutschland aus? Hier gibt es von Stadt zu Stadt unterschiedliche Regelungen zur Vermietung von Privatwohnungen über Airbnb. Auskunft über die sogenannten Regelungen zur Zweckentfremdung von Wohnraum erteilt das zuständige Wohnungs- bzw. Bezirksamt des jeweiligen Ortes.

In Hamburg und München beispielsweise ist es erlaubt, eine Wohnung bei Airbnb einzustellen, wenn die vermietete Fläche weniger als 50 Prozent des gesamten Wohnraums ausmacht. Die komplette Wohnung zu vermieten wäre also nach diesen Vorgaben illegal und kann mit hohen Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.

Das Zweckentfremdungsverbot in Berlin trat bereits 2014 in Kraft. 2018 wurde das Gesetz nun noch einmal verschärft: Wer weniger als 50 Prozent, etwa ein Zimmer, seiner Wohnfläche vermietet, benötigt seit dem 1. August eine Registriernummer, die das zuständige Bezirksamt ausgibt. Beträgt die vermietete Fläche mehr als 50 Prozent, wird außerdem eine kostenpflichtige Genehmigung fällig. Die zugeteilte Registriernummer muss bei Inseraten auf Airbnb stets öffentlich sichtbar angegeben werden.

Doch unabhängig von den Regelungen der jeweiligen Stadt gilt: Wenn du deine Wohnung oder einen Teil von ihr vermieten möchtest, solltest du immer vorher die schriftliche Erlaubnis deines Vermieters einholen. Tust du das nicht, kann im schlimmsten Fall die fristlose Kündigung erfolgen, wenn herauskommt, dass du die Wohnung ohne Absprache bei Airbnb inseriert hast.

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