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Und täglich grüßt der Metronom: Mein Leben als Pendlerin

Und täglich grüßt der Metronom: Mein Leben als Pendlerin

von Johanna, 26.10.2017

Was ist blau-gelb und eilt geschwind durch Kornfeld und Wind? Na klar, der Metronom, mein fahrbarer Untersatz, der mich zur Arbeit und (meist) auch wieder zurück nach Hause befördert. 

Darf ich vorstellen: Ich bin Johanna. Pendlerin. Nein, nicht mit Leib und Seele. Vielmehr mit Frust und unzähligen Durchbeißmomenten. Unter Kollegen gehöre ich zu einer mitleiderregenden Spezies. Die Reaktionen auf mein Pendlerpensum wechseln zwischen entsetzten Blicken, lieb gemeinten Schultertätschlern und „oooh, du Arme“-Seufzern. Okay, einige vehemente Kopfschüttler sind auch dabei. „Wie kannst du dir das nur antun?“, ertönt dann aus den Mündern der 10-Minuten-zur-Arbeit-(und-easy-durchs-Leben-)Schlenderer. Aber lassen wir den Zynismus beiseite.

Warum ich täglich und freiwillig insgesamt drei Stunden mit Metronom und HVV durch halb Niedersachsen gurke? Weil ich so gerne beim Zugfahren aus dem Fenster schaue, um einen Blick auf die grasenden Rehe der Heide zu erhaschen. (Wobei, grasende Rehe sind tatsächlich ein fesselnder Anblick. Soweit etwas den Blick fesseln kann, an dem man mit 120 km/h vorbeirauscht.) Die liebe Liebe ist mal wieder „schuld“. Denn ansonsten wäre ich vermutlich schon längst in Hamburg, unweit meiner Arbeitsstätte wohnhaft. Doch hinfort mit dem elenden Konjunktiv!

Der Kompromiss lautet nun also seit mehr als drei Jahren: Pendeln! Dass ich das bereits so lange durchhalte, erstaunt mich so manches Mal selbst. Während der Zur-Arbeit-Schlenderer noch tief und fest in seiner Großstadt-Kuschelhöhle schlummert, klingelt mein Wecker im beschaulichen Rotenburg (nein, nicht da, wo der Kannibale herkommt) um kurz vor fünf. Ab dann ist jede Minute staccatogleich getaktet – noch früher Aufstehen für eine entspannte Ouvertüre krieg ich zur Hölle nicht hin. Ein bisschen Schlaf muss schließlich auch sein. Für gewöhnlich eile ich dann wie ein abgehetztes Murmeltier durch Wiesen und Felder zum Bahnhof und erwische noch gerade so den Metronom.

Glücklicherweise muss ich mich nicht wie eine „Sardine in den Waggon quetschen“ – so der O-Ton eines liebenswerten Schaffners, sondern habe freie Platzwahl. Häufig begegne ich im Zug denselben Gesichtern, wo jeder an „seinem“ Platz sitzt, als gäbe es ein unausgesprochenes Abkommen zwischen den Pendlern. Tatsächlich fühlen sich diese Menschen, fast wie bekannte Unbekannte an, Leidensgenossen auf dem Weg zur Arbeit. Geteiltes Leid ist manchmal eben doch halbes Leid, selbst wenn es fremde Teilnehmer sind.

Wusstest du schon…?

Pendeln kann zu ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden führen. Zu den häufigsten zählen:

  • Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen
  • Gelenk- und Gliederschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Völlegefühl
  • Erschöpfung, Mattigkeit und Schwindelgefühl

Wenn du von Bus oder Bahn auf den Drahtesel umsteigen kannst, unterstützt dich die AOK mit dem "Mit dem Rad zur Arbeit"-Programm. Näheres dazu erfährst du  hier .

Dass ich mein Pendler-Dasein stets mit Würde trage, davon kann keine Rede sein. Insbesondere, wenn der Metronom mal wieder auf der Rückfahrt Verspätung hat, verfluche ich meinen Gefährten auf Schienen. Für meinen knurrenden Magen, meine Müdigkeit und miese Laune scheint er sich nicht zu interessieren. Dabei kann die Blechbüchse selten etwas dafür. Zwischen stöhnenden, augenverdrehenden Passagieren und teilnahmslosen Handystarrern frage ich mich dann doch wieder, warum ich mir diese Scheiße antue.

Ganz ehrlich, Pendeln ist Mist. Anders kann man es nicht ausdrücken. Könnte mein Rücken sprechen, würde er Selbiges sagen. Stattdessen bringt er seine Meinung mit beizeiten pochenden Schulterschmerzen zum Ausdruck. Aber aus irgendeinem (hoffentlich) wichtigen Grund entscheiden sich Menschen für den langen Weg zur Arbeit Was also tun? Nach einer schlimmen Phase des Selbstmitleids versuche ich nun, das Positive am Pendeln zu sehen. Statt bei meinen Fahrten die bereits hinterlegten Strecken zu addieren (mindestens eine Weltumrundung habe ich meinen bescheidenen Berechnungen zufolge bereits gemacht), entspanne ich im lieben Metronom. Das am liebsten mit einem Buch. Ein Hobby, für das meine Leidenschaft während des Studiums etwas erkaltet war – der trockenen Fachliteratur sei nicht gedankt. Der Metronom hat meine Liebe zum Buch neu entflammt und mir „Lesezeit“ geschenkt, die ich oft nutze.

Unzählige Ratgeber haben Tipps parat, wie Bahn-Pendler ihre Zeit produktiv nutzen können. Aber muss das sein? Ich für meinen Teil bin froh, wenn ich nach einem arbeitsintensiven Tag nicht mehr effizient und produktiv sein muss. Einfach mal an weniger denken, mehr beobachten, runterkommen. PS: Eine Pendlerin mit Leib und Seele werde ich in diesem Leben trotzdem nicht. Um weniger Zeit im Zug zu verbringen, habe ich meine Arbeitszeit einfach um einen Tag verkürzt. Ein Luxus, den ich mir dank meiner Partnerschaft leisten kann. Eine Notwendigkeit, die ich dringend für meinen Ausgleich brauche. Mir ist „Life“ eben wichtiger als „Work“.

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