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Urban Exploring: Lost Places in Deutschland erkunden

Vergessen, verfallen, verwunschen: Was an Lost Places so faszinierend ist

von Redaktion, 29.12.2017

Trevi-Brunnen, Louvre oder der Tower von London – hat man alles schon gesehen. Urban Explorer finden das gähnend langweilig. Sie erkunden lieber verlassene Orte: alte Fabriken zum Beispiel.

Hübsch herausgeputzte Schlösser, aufwendig restaurierte Kirchen und akkurat gepflegte Parkanlagen hat jede Stadt zu bieten. Lame! Und auch die von Reiseführern angepriesenen, vermeintlichen Geheimtipps sind schon längst keine mehr, sondern werden von Touris überrannt.

Urban Explorer dagegen wandeln abseits der ausgelatschten Touristenpfade. Was sie nicht wollen: Sightseeing für die Massen. Was sie suchen: verlassene Orte, sogenannte Lost Places. Das ist nicht ungefährlich und noch dazu bewegen sich die Urbex-Anhänger am Rande der Legalität. Warum sie das trotzdem nicht davon abhält, geschlossene Freizeitparks, verfallene Fabriken und Ruinen aufzusuchen, erfährst du hier.

Jäger der verlassenen Orte

Urban Explorer erkunden Orte im städtischen Raum, die die Mehrheit vielleicht nicht unbedingt als schön bezeichnen würde. Denn was soll an verfallenen Häusern, düsteren Katakomben, stickigen Schächten oder an einem gruseligen, leer stehenden Sanatorium auch schon schön sein? Nun, das liegt immer im Auge des Betrachters. Denn diese Abandoned Places entfalten ihren ganz eigenen Charme, weil sie authentisch sind.

Hier wurde nichts nachträglich gepflegt, repariert oder verbessert. Die Orte sind im Idealfall noch so, wie sie einst zurückgelassen wurden. Bloß dass die Natur sich diese Plätze langsam zurückerobert und der Verfall voranschreitet.

Ausgestattet mit ihrer Kamera, haben es sich die Jäger der verlassenen Orte zur Aufgabe gemacht, die Existenz von Lost Places festzuhalten. Ihren derzeitigen Zustand auf Fotos zu konservieren, bevor sie irgendwann zu Staub zerfallen oder abgerissen werden.

Urban Exploring: Lost Places in Deutschland erkunden
Fotografieren ausdrücklich erwünscht: Denn mit der Kamera konservierst du den Zustand von Lost Places, die vielleicht bald schon nicht mehr vorhanden sind.

Auf der Suche nach der echten Vergangenheit

Wer denkt, dass nur Sensationslust, der Drang nach Abenteuer und Nervenkitzel zu Urban Exploration motivieren, liegt falsch. Viele „Jäger“ treibt auch historisches Interesse an den Orten an, die oftmals eine spannende Geschichte oder schaurige Vergangenheit zu erzählen haben. Und wieder andere sind tatsächlich gefesselt von der Schönheit des Morbiden, die sie in den Lost Places sehen. Das Unperfekte, das Dreckige und Staubige, das Einsame, das Chaos ohne Ordnung ist für sie allemal sehenswerter als das Schloss Versailles oder Neuschwanstein. Vielleicht ist es auch eine Art Zivilisationsflucht oder zumindest das Meiden von Menschenmassen, was die Urbex-Anhänger antreibt.

Der Kodex von Urbex

„Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints“, lautet die Devise beim Urban Exploring. Nimm nichts als deine Fotos mit und hinterlasse nichts außer Fußspuren! Lost Places sollen so wieder verlassen werden, wie sie vorgefunden wurden. Vandalismus geht gar nicht. Ihren Müll sollen die Abenteurer ebenfalls wieder mitnehmen, dafür aber auf das Mitnehmen von Andenken wie Steinen oder gefundenen Gegenständen verzichten. Auch ist es nicht gern gesehen, Dinge an den verlassenen Orten bewusst zu verändern und zu arrangieren, damit sich eine bessere Komposition fürs Foto ergibt. So häufig geschehen in der ukrainischen Geisterstadt Prypjat, nahe dem Unglücksreaktor Tschernobyl, wo die Bewohner nach der Katastrophe alles stehen und liegen lassen mussten, um zu flüchten.

Ebenfalls wichtig: Um sie zu schützen, verraten die Urban Explorer die genaue Lage der Lost Places nur ungern. Zwar teilen sie im Internet Erfahrungsberichte und Fotografien mit der Online-Community, die genauen Koordinaten geben sie jedoch nicht preis.

Urban Exploring: Lost Places in Deutschland erkunden
This must be the place: Verlassene Orte sind nicht leicht aufzuspüren, aber hat man sie einmal gefunden, hat sich die Mühe meist gelohnt.

Gratwanderung am Rande der Legalität

Urban Exploring ist in vielen Fällen jedoch nicht wirklich legal. In Deutschland gilt es als Hausfriedensbruch, wenn ein leer stehendes Gebäude oder ein abgesperrtes Gebiet von Unbefugten betreten wird. Das trifft sogar auf öffentlich zugängliche Orte ohne abgesperrte Türen oder Zäune zu, die möglicherweise gar keiner Privatperson, sondern einer Stadt gehören.

So die Theorie. In der Praxis beginnt die Polizei meist erst zu ermitteln, wenn der Eigentümer eines Gebäudes Anzeige erstattet. Ungefährlich sind die Streifzüge durch verlassene Ruinen dennoch nicht. Denn Urban Explorer handeln auf eigenes Risiko: Passiert etwas, während sie unbefugt fremdes Terrain betreten, zahlt möglicherweise die Unfall- und Krankenversicherung nicht.

Legale Lost Places: Ruinentour ohne Risiko

Mittlerweile kannst du in vielen Städten geführte Urbex-Touren buchen. So setzt du dich keiner Gefahr aus, hast aber trotzdem die Möglichkeit, den morbiden Charme verlassener Orte hautnah zu erleben. Zum Beispiel hier:

  • Teufelsberg Berlin: Eine ehemalige Abhörstation aus dem Kalten Krieg, deren gigantische Kuppeln noch immer etwas Mysteriöses anhaftet. Heute kannst du den Teufelsberg legal besichtigen und auf den Abhörtürmen Europas größte Streetart-Galerie bewundern sowie einen atemberaubenden Ausblick über Berlin genießen. Tickets buchst du ganz einfach über die Website.
  • Der Atombunker am Hamburger Hauptbahnhof: Unter dem Bahnhofstrubel der Hansestadt verbirgt sich ein weiteres gruseliges Relikt des Kalten Krieges. Ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg wurde 1965 bis 1969 zum Schutz vor einer möglichen atomaren Katastrophe umgebaut – 2.702 Menschen können hier unterkommen. Klaustrophobie pur! Besichtigungen organisiert der Verein "Hamburger Unterwelten".
  • Die Beelitz-Heilstätten in Brandenburg: Das ehemalige Tuberkulose-Sanatorium aus der Zeit der Jahrhundertwende wirkt mit seinen verlassenen Chirurgie-Sälen, als käme es direkt aus der Welt von "Silent Hill" – und ist damit natürlich ein Paradies für Explorer und Fotowütige aus aller Welt. Inzwischen kannst du die Heilstätten mit geführten Touren besichtigen. Darüber hinaus, soll unter dem Namen "Refugium Beelitz-Heilstätten" im sanierten ehemaligen Frauenteil des Sanatoriums ein Künstlerdorf entstehen. Und für schwindelfreie Abenteurer bietet ein 2015 eingerichteter Baumkronenpfad einen spektakulären Blick über das Ruinengelände.
  • Historisches Stadtbad Leipzig: 1916 errichtet, 2004 aufgegeben, erwartet diesen verlassenen Badepalast mit seiner opulenten Damensauna im maurischen Stil eine ungewisse Zukunft. Eine Stiftung hat sich jedoch auf die Fahnen geschrieben, das alte Stadtbad zu sanieren und erneut zum Badeparadies zu machen. Bis es soweit ist, könnt ihr das Stadtbad im Zuge geführter Touren besichtigen.
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